(Anti-)Social-Bookmarking

Social-Bookmarking war bzw. ist für mich eine der interessantesten Methoden die mit dem Web 2.0 aufkam: interessante Links und gute Artikel versauern so nicht in den Lesezeichen des Browsers, sondern sind öffentlich einsehbar, lassen sich teilen und laden zum stöbern ein; durch Tags (also Schlagworte) lassen sich die Links sortieren und ganze Themensammlungen aufbauen und interessante Querverbindungen erkennen; und durch den Social-Networking-Charakter kann man leicht neue Inhalte zu einem Thema oder sogar ganze nützliche Link-Sammlungen finden.

So jedenfalls habe ich Social-Bookmarking damals mit Delicious kennengelernt (als es noch del.icio.us geschrieben wurde). Die Oberfläche war schlicht und eher puristisch, aber meiner Meinung nach genau richtig für diese Art von Service. Als Yahoo! dann del.icio.us übernahm, daraus Delicious machte und im gleichen Zuge das Interface »moderner« gestaltete, wurde es aber für mich aber zu unübersichtlich, mit zu vielen Störfaktoren, die es in der alten, kompakteren Oberfläche nicht gab.

Aus Mangel an guten Alternativen wechselte ich dann Insipid, einer Web-Software die auf dem eigenen Web-Server betrieben wird. Die Oberfläche und die Handhabbarkeit von Insipid waren OK, aber mehr auch nicht; und zudem fehlte – zumindest bei dieser Web-Software – komplett der Social-Networking-Charakter, aber das war in soweit in Ordnung für mich, solange ich meine eigenen Lesezeichen gut sortieren konnte. Aber die alte, etwas unsaubere Oberfläche störte mich dann doch etwas, allerdings war es nicht so einfach ein vernünftiges neues Design dafür zu entwickeln, da das HTML, das Insipid erzeugte, in meinen Auge recht krude war und ich entsprechend unmotiviert das CSS dafür zu schreiben (zudem war auch die Programm-Logik und das HTML nicht durch eine Template-Engine entkoppelt, sodass es nicht so einfach möglich war das HTML zu bearbeiten, zumal Insipid ein kleines Perl-Ungeheur war). Mittlerweile ist die offizielle Weiterentwicklung von Insipid auch eingestellt, es gibt aber noch ein GitHub-Repository, aus dem man es sich herunterladen kann.

Nach Insipid und einigen Anläufen etwas ähnliches aber moderner zu entwickeln – die leider alle aus Zeitmangel im Sande verlaufen sind –, wechselte ich zu einem Service, den ich schon länger im Auge hatte: Pinboard.

Pinboard, das sich selbst auch als Anti-Social-Bookmarking bezeichnet, bietet für mich die Mischung aus puristischer Oberfläche, wie es sie früher ähnlich bei del.icio.us gab, reicher Funktionalität und eben auch Social-Networking – aber nur für die, die möchten. Und ich möchte Social-Bookmarking und kann auch, wie bei Delicious, andere Links und Nutzer finden, die ebenfalls öffentliches Social-Bookmarking betreiben.
Zwei Wermutstropfen gibt es aber bei Pinboard: 1. Es kostet Geld, was aber wiederum heißt, dass ich eine Dienstleistung kaufe und nicht selbst das Produkt bin; 2. Es entspricht nicht ganz dem Ethos und der Idee des IndieWeb, das ich eigentlich gerne vorantreiben möchte, aber ich habe bisher keine gute Web-Software gesehen, die es mir so ermöglicht meine Lesezeichen in einer angemessenen, puristischen Oberfläche zu verwalten.

Ein weiterer Vorteil von Pinboard ist zudem, dass es ein etablierter Service ist, der entsprechend gut eingebunden ist: es gibt Apps für iOS, Android und Co. und andere Web-Services wie z.B. IFTTT oder Feedly unterstützen eine Anbindung.

Neuer Workflow voraus

Im Zuge meiner Nick-Änderung und der Umstellung meiner Online-Infrastruktur habe ich nun auch noch einmal meinen Online-Lese-Workflow unter die Lupe genommen: die meisten neuen, interessanten Artikel und Links finde ich durch Twitter, meinen abonnierten RSS-Feeds oder durch Recherchen. Die Links landeten dann meist entweder in meiner Lesezeichen-Leiste im Browser, in meinen Twitter-Fav’s oder im Read-Later-Service Instapaper – wobei ich sowohl in meine Twitter-Fav’s als auch in Instapaper kaum hineingesehen habe – und dann früher oder später bei Pinboard.

Nun bietet aber auch Pinboard die Möglichkeit Lesezeichen als »to read« zu markieren, sodass ich eigentlich auf einen Read-Later-Service, den ich eh kaum nutze, wie Instapaper verzichten kann. Und das habe ich nun auch getan: Instapaper habe ich aufgegeben, ebenso IFTTT, der zuletzt auch nur noch meine Instagram-Favoriten nach Instapaper geschaufelt hat.

Dafür habe ich mir für 4,95 € die iOS-App Pinner for Pinboard gekauft, mit der ich sowohl meine als »to read« markierten Pinboard-Links lese kann als auch aus anderen Apps wie Twitter bzw. Tweetbot Links in Pinboard speichern kann.

Mein Workflow sieht also nun in Kurzform wie folgt aus: Links, egal aus welcher Quelle, landen zunächst bei Pinboard und werden dort ggf. als »to read« markiert, die ungelesen Links kann ich dann, wenn ich Zeit und Lust habe, lesen.

Auf meinem Smartphone und Tablet läuft alles über die App Pinner for Pinboard: darüber kommen die Links zu Pinboard und darüber greife ich auf meine ungelesen Links zu.
Am Notebook oder Desktop-Rechner läuft alles über die Pinboard-Website bzw. zum speichern der Links verwende ich das Bookmarklet.

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